Arbeiten wir nur fürs Geld?

Menschen arbeiten oft 40 oder mehr Stunden in der Woche. Die meisten Menschen tun dies sicherlich zunächst mal, um Geld zu verdienen und damit ihr Überleben zu sichern. Neben der Grundsicherung treibt uns auch die Verbesserung unserer Lebensverhältnisse zu größeren Anstrengungen an.

Doch arbeiten Menschen nur um Geld zu verdienen? Im Idealfall überschneidet sich Arbeit und Vergnügen und der Mensch hat Freude an dem was er tut. Doch woher kommt das Vergnügen? Was motiviert uns wirklich?

Es gibt die unterschiedlichsten Ziele nach denen wir streben. Diese sind nicht bei jedem Menschen gleich. Sozialisation, Umwelt und Entwicklung prägen die Weltbilder und Wertesysteme des Menschen. Sie sind die zentralen Steuerungssysteme für das Denken, Fühlen und Handeln: alle Entscheidungen werden von Werten getrieben. Werte sind die Basis aller Emotionen. Menschen treffen Entscheidungen von Emotionen geleitet und begründen diese dann rational. Werte sind der Schlüssel zur Motivation und nehmen Einfluss auf die Qualität unserer Entscheidungen.

Menschen sind dann wirklich motiviert, wenn sie ihre tiefsten Wertvorstellungen zum Ausdruck bringen können.

Werte formen und festigen sich durch unsere Erziehung, durch Prägung, durch die Gesellschaft oder das jeweilige Umfeld. Es entstehen Eigenschaften, Fähigkeiten und Qualitäten, die als moralisch gut oder wertvoll betrachtet werden. Außerdem steht das Wertesystem von Individuen im engen Zusammenhang mit den psychologischen Bedürfnissen eines Menschen. Ein Bedürfnis ist das Verlangen oder der Wunsch, einem empfundenen oder tatsächlichen Mangel Abhilfe zu schaffen. Daher ist es zunächst wichtig sich mit den Bedürfnissen von Menschen zu befassen, um deren Wertvorstellungen besser verstehen zu können und das Motivationspotential maximal zu nutzen. Wir unterscheiden hier acht Grundbedürfnisse:

1. Überleben

Der Mensch kämpft um sein Überleben: Er ist reaktiv.

Seine Grundbedürfnisse nach Nahrung, Wasser, Unterkunft und Wärme müssen erfüllt werden. Erst wenn das Überleben des Menschen durch die Erfüllung der Grundbedürfnisse gesichert ist, ist der Mensch frei sich um andere Dinge zu bemühen.

Übertragen auf die Situation von Mitarbeitern im Unternehmen bedeutet dies: in der Regel sorgt sich jeder Mitarbeiter zunächst darum, dass er eine passende Bleibe, genug für Essen und Trinken hat und seine Rechnungen bezahlen kann.

2. Sicherheit & Stamm

Der Mensch strebt nach Stammeszugehörigkeit: Er ist tribalistisch.

Ist das Überlegen gesichert sehnt sich jeder Mensch nach Bindung und Identifizierung. Fühlt er sich einer Familie oder eines Stammes zugehörig, hält er ihm die Treue, unterstützt dessen Rituale und ist stolz auf die Traditionen des Stammes. Dadurch fühlt er sich dazugehörig und sicher. Dies gibt ihm das gute Gefühl angenommen zu sein.

Neben der Familie zeigt sich das tribalistische Verhalten des Menschen beispielsweisse in Vereinen und Unternehmen. Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit wird im Unternehmen durch Betriebsversammlungen, durch Weihnachtsfeiern und andere Veranstaltungen zum Ausdruck gebracht. Rituale werden gepfegt, die Treue belohnt (z.B. die goldene Uhr nach 25 Jahren Betriebszugehörigkeit) und gar das Unternehmen als große Familie beschworen.

3. Macht & Kraft

Der Mensch strebt nach Macht: Er ist egozentrisch.

Menschen wollen sich beweisen und ihren Platz in der Gesellschaft finden. Dies bringen sie durch Stärke, Ehre und Mut zum Ausdruck. Sie wollen von anderen Menschen respektiert werden und sich gegen andere durchsetzen können.

Das bisweilen schon mal grotesk anmutende Platzhirschverhalten mancher Führungskräfte drückt sich beispielsweise in der Bedeutung, der Lage und Größe eines Einzelbüros, einer eigenen Sekretärin oder einem Dienstwagen aus. Auch ist das Streben nach Karriere und Statussymbolen ein Ausdruck dieses Dominanzverhaltens.

4. Recht & Ordnung

Der Mensch strebt nach Struktur: Er ist absolutistisch.

Menschen sehnen sich nach Stabilität. Strukturen sollten gerecht und zuverlässig sein. Sie sollten sich an der Wahrheit orientieren und klare Regeln schaffen, die dem Mensch helfen, seine Disziplin, Loyalität und Pflichtbewusstsein unter Beweis zu stellen.

Menschen wollen standardisierte Prozesse und Routinen bei der Arbeit. Sauberkeit am Arbeitsplatz, eine funktionierende Arbeitsökonomie und eine nicht Personen abhängige Prozesssicherheit haben daher eine hohe Bedeutung in vielen Unternehmen.

5. Leistung & Gewinn

Der Mensch strebt nach Erfolg: Er ist materialistisch.

Menschen wollen sich im Wettbewerb mit anderen austesten und sich Ziele setzen. Sie wollen Ergebnisse ihrer Arbeit sehen und Gewinne erwirtschaften. Sie wollen der Beste sein und ihr unternehmerisches Denken unter Beweis stellen.

Unter nichts leiden Menschen mehr, als wenn Anerkennung und Lob für gut gemachte Arbeit fehlen. „Nicht geschimpft ist genug gelobt …“ ist Führungsverhalten von gestern.

6. Team und Beziehung

Der Mensch strebt nach Beziehungen: Er ist personalistisch.

Menschen wollen gute Beziehungen aufbauen und dabei wertschätzend behandelt werden. Sie wollen in Harmonie und Frieden mit anderen Menschen zusammen leben. Sie streben nach Gleichheit und wollen ihre Gefühle zeigen können. Sie haben ein Bedürfnis nach Austausch und Beachtung.

Menschen wollen eine Rolle spielen und bedeutsam sein. Sie wollen in ihrem Unternehmen eine Rolle spielen, einen Platz einnehmen und mit dem was sie tun von Kollegen und Führungskräften wertgeschätzt werden.

7. Freiheit & Lernen

Der Mensch strebt nach Selbstverwirklichung: Er ist existentialistisch/ systemisch.

Der Mensch möchte seine Unabhängigkeit ausbauen und Kompetenz entwickeln. Er möchte sich Wissen aneignen und dadurch seine Personal- und Persönlichkeitsentwicklung ausbauen.

Mitarbeiter wollen auch während ihrer Arbeitszeit ihre Kreativität ausleben, ihre Neugier befriedigen, Spaß haben, indem sie neue Dinge ausprobieren, Dinge besser machen und über sich selbst hinauswachsen.

8. Nachhaltigkeit

Der Mensch strebt danach über sich selbst hinaus zu wirken: Er ist holistisch.

Menschen streben nicht nur nach Verbesserungen in unmittelbarer Umgebung, sondern auch auf globaler Ebene. Sie denken ganzheitlich und wollen, dass auch die zukünftigen Generationen eine lebenswerte Umwelt vorfinden.

Menschen wollen ihrer Nachwelt etwas hinterlassen. Die Planung der Nachfolge im Unternehmen und die Weitergabe der Verantwortung von einer Generation auf die nächste Generation zu organisieren ist eine der größten Herausforderungen der sich Unternehmer gegenüber sehen.

Welche Konsequenzen ergeben sich aus dem Wissen um die Bedeutung von Motiven und Werten für das Verhalten von Führungskräften und Mitarbeitern im Unternehmen?

Eins ist klar geworden: Geld allein macht nicht zufrieden und neben einer fairen Entlohnung gibt es weitere wichtige Aspekte, die zu beachten sind, wenn man die Motivationspotentiale der Mitarbeiter maximal aktivieren möchte: Es gilt die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu erkennen und im Unternehmen Räume zu schaffen, damit diese auch gestillt werden können. Letztendlich ist ein Unternehmen keine Maschine, bei der Input und Output klar berechenbar ist. Ein Unternehmen wird von Menschen gesteuert und beeinflusst. Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Führungskräften ist keine Zeitverschwendung. Eine Regelkommunikation und Mitarbeitergespräche sind unabdingbar für eine gute Unternehmenskultur. Nur wenn die Mitarbeiter ihre Bedürfnisse äußern dürfen, kann effektiv dafür gesorgt werden, dass diese auch berücksichtigt werden können. Damit jeder Mitarbeiter die Möglichkeit zur Entfaltung seiner Persönlichkeit bekommt, muss darauf geachtet werden, dass eine Gleichbehandlung der Mitarbeiter statt findet. Wo die Bedürfnisse der Mitarbeiter mit den Bedürfnissen des Unternehmens übereinstimmen, kann es gelingen Mitarbeiter zu Höchstleistungen zu motivieren. Wir merken das dann daran, dass wir arbeiten, weil wir arbeiten wollen und nicht mehr das Gefühl haben arbeiten zu müssen. Um es mit Immanuel Kants Worten zu sagen: „Ich kann, weil ich will, was ich muss!“ Eigenverantwortliches Verhalten und ergebnisorientiertes Arbeiten wird sich dort am Ehesten einstellen, wo Führungskräfte diese Anforderungen verstanden haben und dafür sorgen, dass sich die Unternehmenskultur in Richtung Mitverantwortung und Mitgestaltung weiterentwickeln kann.

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